Draußen ist alles grau und regnerisch. Nur wenige Menschen trauen sich bei diesem Wetter auf die Straßen. Etwas ungewöhnlich für die sonst so belebte, große Stadt. Doch langsam erstrahlen die großen Kirchen und alten Gebäude in ein rosa-orange-farbendes Licht. Die bunten Häuser entlang der Fußgängerzone sehen auf einmal ganz freundlich aus. Über allem liegt ein wunderschöner Schimmer.
Potsdam.Fußgängerzone am Abend. Die Sonne geht langsam unter. Der Regen hat endlich nachgelassen. Vor genau 9 Monaten standen wir schonmal hier. Es war sehr heiß. Wir sangen Lieder von Gottes Größe und Liebe. Wir versuchten mit den Menschen zu reden doch die meisten wollten nicht. Es waren vielleicht 2 oder 3 Bibeln die wir verteilt haben. Das wars. So endete unser Einsatz.
Jetzt sind wir wieder hier. Stehen in der gleichen Straße, singen die gleichen Lieder und haben die gleiche Botschaft an die Menschen: Jesus liebt dich und er kann dein Leben radikal verändern. Einige Menschen bleiben stehen, hören kurz zu, lächeln uns freundlich an und gehen weiter. Andere nehmen einen der Flyer die wir ihnen anbieten. Wenige kommen mit uns ins Gespräch. Es ist wirklich erstaunlich dass wir hier überhaupt stehen können, denn den ganzen Tag war es ununterbrochen am regnen. Jetzt zaubert die untergehende Sonne ein Farbenspiel an die Hausfassaden. Wir sind motiviert und überglücklich. Vielleicht nehmen nur wenige Menschen etwas von dem mit, was wir hier tun. Vielleicht auch nur ein einziger. Doch es hätte sich gelohnt.
Von unserem letzten Einsatz haben wir gehört, dass danach einiges in der Gemeinde hier vor Ort, mit welcher wir zusammenarbeiten, passiert ist. Gott hat gewirkt. Für uns schien es so als hätten wir nichts erreicht. Doch in unserer Schwachheit war er stark. In unserem kleinen Handlungsspielraum hat er sich als mächtig erwiesen. Was diesmal geschehen wird wissen wir nicht. Doch eines wissen wir genau: Dort wo wir Gottes Wort sähen wird er dafür sorgen dass die Frucht aufgeht. Auch wenn wir es erst spät oder sogar nie erfahren werden, so dürfen wir doch die Gewissheit haben: Wo auch immer wir von der Liebe Jesu erzählen wird diese Herzen berühren und verändern.
Moni

Ein Mann sitzt in meinem Wohnzimmer und starrt mit ausdrucksloser Miene in den Raum hinein. Sein leerer Blick wandert durch den Raum als würde er nach etwas suchen, obwohl er bereits weiß, dass er es nie finden wird. Er ist kein Fremder, aber wirklich gut kenne ich ihn auch nicht. Ein Bekannter eben, den man nur kennt, weil ihn jemand aus meinem näheren Umfeld kennt. An seinen Namen, sein Alter und seinen Beruf kann ich mich gerade noch so erinnern, während es mir an weiteren Details aus seinem Leben vollständig fehlt. Andersherum denkt dieser Mann wahrscheinlich ähnlich über mich. Die meisten Menschen kennen wohl derartige Begegnungen oder denken vielleicht an ganz konkrete Personen in ihrem Leben. Es ist vielleicht sogar unvermeidbar, solche Personen in seinem Leben zu wissen. Schließlich können wir nicht zu jedermann eine vollkommen offene, intime und authentische Beziehung aufbauen. Manchmal scheint es also unausweichlich, dass bestimmte Beziehungen in ihrer Natur eher oberflächlich und anonym bleiben. So richtig fällt uns dieser Beziehungsstatus jedoch erst auf, wenn er durchbrochen wird und der Schutz der Anonymität auf einmal verfällt. Vielleicht ist es ein Wort, eine Tat oder ein Gespräch. Aber auf einmal scheint der Gegenüber nahbarer als zuvor und man kann sich nicht mehr hinter der Maske der gegenseitigen Unbekanntheit verstecken.

Der Mann in meinem Wohnzimmer fing auf einmal an zu sprechen. Er sprach sehr langsam und bedacht, als hätte er gerade erst das Sprechen gelernt. Die letzten Jahre seines Lebens gleichen einem emotionalen Trümmerfeld, dessen Konsequenzen sich nun im Alltäglichen und Gegenwärtigen seines Lebens wiederfinden. Selbstmord des Bruders, Scheidung, Sorgerechtsstreit, gescheiterte Beziehungen, berufliche Unzufriedenheit, Depressionen. Eine Kaskade der seelischen Verwundbarkeit. Ich hörte ihm zu, doch wusste ich nicht, was ich dazu sagen sollte. Was sagt man in so einer Situation? Dann sprach er weiter, immer noch leise. Er beschrieb seine Suche nach Heilung, indem er allerlei experimentelle und therapeutische Verfahren ausprobierte, um seine Genesung voranzutreiben.

Ich musste über die Worte des Mannes nachdenken. Manchmal denke ich, dass sich derartige Biographien in den letzten Jahren häufen. Es ist eher die Ausnahme, einem gesunden, glücklichen und zufriedenen Menschen begegnen, denn jeder trägt doch irgendwie eine Last mit sich herum, sichtbar oder unsichtbar. Unsere kühle Arbeitswelt wird von Gewinnmaximierung und Produktivitätssteigerung dominiert. Die Medizin treibt die Perfektionierung des Menschen voran, sodass jede Form des Imperfekten als Defizit angekreidet wird. Beziehungen scheitern. Ehen werden geschieden. Kinder wachsen ohne Väter und Mütter auf. Menschen werden krank. Depressionen, Burnout, Krebs. In was für einer Welt leben wir hier eigentlich, frage ich mich. Und dann fällt es mir ein. Es ist Gottes Welt.

Gottes Welt ist keine perfekte, sorglose Welt. Im Gegenteil, sie ist voll von diesen Dingen, die ich oben aufgezählt habe. Die Bibel ist mitunter auch ein Zeugnis des Leids. Seitdem der Mensch sich gegen Gott gewandt hatte, seitdem er Gott in die Augen sah und so sein wollte wie er, seitdem sich die Tore des Garten Edens geschlossen haben, sind diese Dinge in der Welt der Menschen existent. Krankheit, Beziehungszerfall und Tod sind allgegenwärtige Phänomene der Menschheit. Und das ist kein Geheimnis, sondern eine offenkundige Tatsache, weshalb wir von derartigen Diagnosen eigentlich nicht überrascht sein sollten. Warum auch? Denn der Ort des Verschwindens von Krankheit und Tod, das ist nicht die Erde, sondern der Himmel. Der Mann in meinem Wohnzimmer kannte diesen Ort nicht. Vielleicht kannte er ihn sogar, doch er glaubte nicht an diesen Ort. Es erscheint also nur logisch, dass er sich in seiner Verzweiflung an irdische Therapie- und Kompensationskonzepte wendet, um die Leiden seines Lebens mit anderen Reizen zu übertönen. Das ist der universelle Ratschlag unserer Zeit: Hast du ein Problem, dann musst du es behandeln. Dann folgen meist medizinische, therapeutische oder esoterische Kurmaßnahmen, die auf ihre Art und Weise ein Heilsversprechen liefern. Doch das wird die Risse dieser zerbrochenen Welt nicht wieder zusammenfügen, denn der Riss beginnt nicht in unserem Körper, Kopf oder Herzen, die die Menschen so eifrig versuchen zu therapieren. Er entspringt der Entfremdung von Gottes Seite. Wo kein Gott, da kein Leben. Und dieses Leiden kennt nur ein Heilmittel: Beziehung. Beziehung zu Gott.

Der Mann wollte mein Wohnzimmer wieder verlassen. Ich hatte seine Offenbarungen nahezu wortlos zur Kenntnis genommen und konnte ihm keine Antwort oder Zuspruch bieten. In mir drin sah es jedoch anders aus, weil mir ziemlich schnell bewusst wurde, dass dieser Mann auf der Suche nach Sinn war, nur leider suchte er am falschen Ort. Als ich ihn verabschieden wollte, drückte ich ihm einen Flyer der aktuellen Themenreihe unserer Kirche in die Hand. Wenn du mal genug von deiner Therapie hast, dann komm mal hierhin, sagte ich ihm.

Ihr kennt das doch: Von allen Läufern, die im Stadion zum Wettlauf starten, gewinnt nur einer den Siegeskranz. Lauft so, dass ihr ihn gewinnt!

1.Korinther 9,24 (Hfa)

 

Was machen wir, wenn wir vor einer Herausforderung stehen? Vor einem Kampf stehen? Was ist uns dann wichtig? Was machen wir, wenn uns etwas total wichtig ist, wie z.B.  ein Wettkampf, eine Person, ein Job usw.? Wir lernen, wir trainieren, wir informieren uns, wir erstellen Pläne, wir opfern unsere Zeit und geben einfach alles dafür, um unser Ziel zu erreichen.

Die meisten wissen, dass auch der Glaube ein Kampf ist und die Bibel vergleicht es mit einem ‚Marathonlauf‘. Der Glaube ist etwas wofür man trainieren muss, durchhalten muss, Geduld und Vertrauen braucht und noch einiges mehr. Doch oft lassen wir den Glaubensmut sinken und werden müde.Continue reading

Ich muss schon sagen, wir machen mit unserer Jugend richtig coole Sachen! Die Jugend-WG in der letzten Januar-Woche war eine davon. Eine Woche lang haben wir als Jugend in der Kirche gewohnt, haben dort geschlafen, zusammen gekocht, gespielt, uns unterhalten und einfach eine supertolle Gemeinschaft gehabt (und wenig Schlaf 😉 ).

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Zuhören lernen

Haben einige von euch auch versucht jeden Tag eine Stille Zeit mit Gott zu haben und es ist nicht so gelungen, wie man es sich vorgenommen hat?

Mir jedenfalls erging es den letzten Tage so. Als ich mich auf diesen Beitrag vorbereitet habe, habe ich zu diesem Thema ein Kapitel aus Max Lucados Buch „Wenn Gott dein Leben verändert“ gelesen. Das Kapitel trägt den Titel „Zuhören lernen“ und Max Lucado gibt darin ein paar Tipps, die einem im stressigen Alltag helfen können, damit die Stille Zeit nicht auf der Stecke bleibt. Ich fand seine Tipps sehr hilfreich und deshalb möchte ich euch diese hiermit weitergeben.Continue reading

Kälte in mir.

Ich wache auf und bin immer noch müde. Ich bin wach, aber mir kommt es so vor, als ob ich immer noch schlafe. Die Sonne scheint, dennoch ist der Tag trüb. Selbst wenn die Strahlen mir direkt ins Gesicht schießen und mir Freude schenken sollten, sehe ich nur Finsternis und Frust. Die Wärme der Sonne berührt zwar meine Haut, aber in mir bleibt alles kalt. Kälte in mir macht sich breit, obwohl doch alles nach Freude, Liebe und Wärme aussieht.

Leere in mir.

Ich wache auf und müsste mich freuen, denn es ist ein neuer schöner Tag, doch es ist nichts in mir, was mir Freude schenkt. Ein schöner Tag und meine Freunde und Familie sind glücklich, doch in mir ist nichts, was mich innerlich erfüllt. Es ist leer in mir, obwohl ich so viel habe was mich füllen sollte. Dennoch lässt sich diese Leere mit nichts füllen.

Ich wache auf und frage mich immer wieder aufs Neue, wieso? Wieso stehe ich auf, wieso gehe ich meiner Arbeit nach, wieso lebe ich noch? Wo ist der Sinn dahinter, dass ich mit all dem Schmerz und den Qualen die ich erleide, aufstehe und den Tag lebe.

Selbst die, die sich meine Freunde nennen, werfen mir vor, ich habe Schuld an meiner Situation. Ich sei es, der für diese Kälte und Leere verantwortlich ist. Doch sie sehen nicht mein Herz.

Wieso Gott, lässt du mich diese Qualen leiden? Wieso Gott hast du mir alles genommen? Wieso Gott, lässt du all das Böse über mich ergehen? Ich habe nichts getan, was dieses Handeln gegen mich erklären würde. In keinster Weise habe ich gegen Dich oder deine Gebote verstoßen. Wenn wir vor Gericht wären, gäbe es keinen Anklagepunkt gegen mich und trotzdem lässt du all das über mich einbrechen. Wieso Gott?

 

So, oder so ähnlich hat sich wahrscheinlich Hiob gefühlt. Aus einem für ihn nicht erklärbaren Grund, lässt Gott zu, dass seine ganze Familie stirbt, sein ganzes Vermögengestohlen wird und er fürchterliche Erkrankungen erleidet. Hiob fragt sich, weshalb er sowas erleiden muss. Selbst den gottlostesten Menschen ergeht es besser als ihm.

Doch in seiner aussichtslosen Situation hält Hiob fest an Gott. „Doch ich weiß: Mein Erlöser lebt; und als der Letzte wird er über dem Staub stehen.“ – Hiob 19,25

Hiob ist sich gewiss, dass Gott Souverän ist. Er weiß, dass er Gott sehen wird. Hiob hält Gott die Treue, trotz seiner Situation.

Wie stark ist meine Treue zu Gott? Hiob wurde alles genommen was er hat, Familie, Gesundheit, Vermögen. Er versteht nicht warum, hält trotzdem zu Gott. Was passiert, wenn man mir die Familie, Gesundheit und Vermögen nimmt. Halte ich trotzdem an Gott fest als meine Zuversicht, oder mache ich ihn für so eine Situation verantwortlich? Glaube ich weiterhin, dass Gott Souverän ist und alles im Blick hat? Könnte ich auch in einer Situation wie Hiobs sagen: Ich weiß, mein Erlöser lebt. Mein persönlicher Erlöser lebt!

Mich hat in den letzten Wochen oft das Thema Zeit beschäftigt. Wir haben im Hauskreis vor einiger Zeit darüber gesprochen wie viel Zeit man ungefähr pro Woche mit Schlafen, Arbeit/Schule, Essen/Trinken, und sonstigen wichtigen Beschäftigungen verbringt und wie viel Zeit man in der Woche an Freizeit hat. Wir haben uns Statistiken angeguckt und sind am Ende auf ca. 37 Stunden pro Woche gekommen. 37 Stunden pro Woche die man irgendwie füllen muss.
Und wie füllen wir diese Zeit?

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576495

Wir, die wir tot waren. Was heißt es Tod zu sein. Bin ich nicht seit meiner Geburt immer noch quicklebendig? Es geht hier also nicht um den leiblichen Tod – aber was ist dann gemeint?

Ein paar Verse zuvor fordert uns Paulus auf: Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt auch in ihm.

Was macht dieses neue Leben also aus, wenn nicht ein Leben in Christus?

Und das ist nicht, dass was viele Glauben. Wir sind mit Christus gestorben, um mit ihm wiederaufzustehen. Leben von Jesus gibt es nicht, wenn wir vorher nicht mit ihm sterben.

Dieser Tod bedeutet Verlust. Es ist schmerzlich sich seinem alten Leben und der Welt abzusagen, weil es vermeintlich kein Gewinn bringt. Und es ist ein Verlust, doch im Gegensatz zum Leben mit Gott ist dieser Verlust mehr als verkraftbar.

Der Tod ist was Endgültiges. Wir können nicht ein Leben mit Gott führen und den alten Sünden immer wieder mal „Hallo“ sagen. Das macht den Verlust umso schmerzlicher, weil es kein Zurück mehr gibt.

 

Wir sagen immer so schön Jesus hat uns gerettet und uns neues Leben gegeben, aber meinen wir das auch? Leben wir mit diesem Bild vor Augen?